Noah Falstein

Games-Designer und Producer Noah Falstein im Interview mit der creatables Redaktion.

Mr. Falstein, Sie sind ein Urgestein der Spieleindustrie und haben in den letzten Jahrzehnten das Thema Spiele und Game-Design in die unterschiedlichsten Lebens- und Unternehmensbereiche getragen. Sie haben Firmen zum Thema Corporate Training aber auch im Bereich der Medizinischen Bildung beraten. 2002 wirkten Sie z.B. als Designer an dem Spiel "Hungry Red Planet", in dem es darum geht Kindern das Thema gesunde Ernährung näher zu bringen, indem Sie eine Marskolonie aufbauen. Was hat Sie dazu bewegt das Thema Game Design auch in andere Bereiche wie z.B. Gesundheit zu tragen? 

Noah Falstein: Ich begann 1996 als unabhängiger freiberuflicher Spieledesigner zu arbeiten und interessierte mich erst allmählich für das Gebiet, das als "Serious Games" und heute als Gamification bekannt wurde. Meine erste Erfahrung damit war die Beratung von Shell Oil bei der Entwicklung von Ideen zur Nutzung von Spielen und zur Schulung von Menschen in Sachen Sicherheit auf Ölplattformen. Als Spieleentwickler war ich immer daran interessiert, wie die Menschen denken und warum Spiele überzeugend sind. Von da an war es ein ziemlich kleiner Schritt bis zu der Überlegung, wie Spiele die Fähigkeit haben könnten, Menschen auf eine Weise zu helfen, die über die Unterhaltung hinausgeht. Bald jedoch zog mich vor allem die Gesundheits- und Neurowissenschaften an, da sie der direkteste Weg sind, um zu verstehen, wie Spiele uns beeinflussen.

Würden Sie sagen, dass Game Design ein Innovationstreiber für aktuelle und zukünftige Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit von Unternehmen sein kann?

Noah Falstein: Gewiss. Spiele eignen sich besonders gut, um den Menschen etwas über Systeme und ihre Wechselwirkungen zu vermitteln, und bei der Nachhaltigkeit geht es im Grunde um komplexe Systeme mit vielen Interdependenzen. Spiele ermöglichen es uns, viel mehr Variationen mit größerer Sicherheit als in der Realität auszuprobieren - und im besten Fall sind sie auch viel zugänglicher und überzeugender als bloße Simulationen.

Was sind für Sie herausragende Beispiele, bei denen Game Design maßgeblich dazu beigetragen hat ein Produkt oder Service im Kontext der Nachhaltigkeit zu erschaffen oder zu verbessern?

Noah Falstein: Das vielleicht beste Beispiel ist das Spiel Sim City, das über viele Generationen verfeinert wurde. Es hatte von Anfang an das Konzept, mit Energiequellen und Umweltverschmutzung umzugehen.

Arbeiten Sie gerade zufällig an einem Spiel, dass das Thema Nachhaltigkeit behandelt? Falls nicht - wie könnte ihr nächsten Spiel zu dem Thema aussehen? 

Noah Falstein: Gegenwärtig bin ich nicht an einem Nachhaltigkeitsspiel beteiligt, aber ich habe selbst einige Entwürfe dafür gemacht, wie wir ein Spiel entwickeln können, das den Menschen hilft, sich auf eine Vielzahl natürlicher und vom Menschen verursachter Probleme vorzubereiten, von denen viele direkt mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Ich hoffe, dass ich diese Ideen eines Tages in die Praxis umsetzen kann.

Herzlichen Dank für das Interview.