Julia Fischer - Zeitland

Julia Fischer ist Game Designerin und Konzepterin bei Zeitland media & games in Ludwigsburg. Neben Games entwickelt Zeitland auch Apps und arbeitet an Gamification Projekten für und mit Unternehmen. Im Interview erklärt Julia, warum auch Serious Games Spaß machen und gleichzeitig nachhaltige Botschaften vermitteln. 

Serious Games und Impact Games sind ein großer Trend. Wie verarbeitet man ernste Themen in ein Spiel?

Für mich kommt es in erster Linie darauf an, dass ein Spiel Spaß macht. Gleichzeitig ist es mir wichtig, eine Message zu transportieren. Die Herausforderung liegt darin, diese Botschaft in der Geschichte, die wir in einem Game erzählen oder durch eine Mechanik einbauen, ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Man könnte meinen, dass ernste Themen uns Spaß Gegensätze sind, aber das ist nicht zwangsläufig der Fall. Ernste Themen verleihen der Story eines Spiels eine gewisse Tiefe und können Identifikation stiften. Sei es Mental Health, Armut, Angst, Umweltthemen - im Grunde kann sich jeder mit einem ernsten Thema identifizieren. Mit Serious Games spricht man immer mehr Menschen an, als man denkt. Und gleichzeitig bringt man anderen auch immer etwas über ein Thema bei, indem man diese auf abstrakte Weise erlebbar macht. 

Hast du ein Beispiel dafür?

Wir arbeiten gerade an einem Prototypen für ein neues Spiel: Pinto und Ada. Es geht um ein Alpaka, das im Amazonas Regenwald einem Äffchen hilft ihre Familie wiederzufinden, die von Wilderern entführt wurde. Zum einen haben wir das Thema Amazonas gewählt, weil es ein bedrohter Lebensraum ist, den es zu schützen gilt. Auf ihrem Weg durch den Regenwald müssen Pinto und Ada Müll einsammeln. Diese Mechanik kennt man ja aus anderen Spielen, wenn man Münzen einsammelt und Punkte dafür bekommt - bei uns sammeln die User Müll, aber auch hierfür gibt es einen Reward am Ende. 

Wie habt ihr diese Geschichte mit Pinto und Ada entwickelt?

Zuerst hatten wir die Idee, ein Game für Kinder mit einem Alpaka als Charakter zu entwickeln. Als die Idee weiter Form angenommen hat, haben wir uns gedacht, wie wäre es, wenn das Alpaka im Amazonas, also einem ihm unbekannten Lebensraum unterwegs ist - so wie auch wir von außen auf den Amazones blicken. Durch diesen Blick von außen wecken wir Neugier und das Spiel macht Spaß und das ernste Thema rückt in den Hintergrund. 

Stichwort Cross Innovation: Was inspiriert dich bei deiner Arbeit?

Es ist wichtig, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Neulich war ich beispielsweise in der Experimenta in Heilbronn, das war sehr spannend. Es gibt so viele Vorgänge in der Natur und interessante Wissenschaftsthemen, die man ins Digitale übersetzen kann. Solche Eindrücke nehme ich mit und lasse sie ins Storytelling oder die Mechanik eines Spiels einfließen. Es ist auch immer spannend Technologien zu beobachten und sich zu fragen, wie können wir damit arbeiten?

Welche Rolle spielt Design, wenn es um nachhaltige Veränderungen geht?

Ich finde es immer sehr spannend, wenn ich etwas in der Welt beobachte, das nicht richtig ist, und es mir gelingt, diese Beobachtung in ein Game Design zu übersetzen und der Spieler merkt: hier stimmt etwas nicht. Wenn man einen Spieler mit einer Herausforderung konfrontieren möchte, dann kann man ihn nicht vor vollendete Tatsachen setzen, sondern muss ihn zum Denken und Kreativsein anregen - hier kann ich mich als Designerin einbringen. 

Wenn du sagst, dass es dir wichtig ist, dass die Botschaften, die ihr vermitteln wollt, auch ankommen - wie lässt sich dahingehend der Erfolg eines Spiels messen, abgesehen von Downloadzahlen.

In der Gamesbranche herrscht eine ausgeprägte Feedbackkultur. Die Rückmeldung von außen ist da ein ganz guter Indikator, ob etwas ankommt oder nicht. Wenn das Feedback durchweg lautet “Level 3 ist zu schwer.”, dann sagt mir das, dass die Mechanik des Spiels nicht gut genug ausgearbeitet ist und die Spieler*innen sich daran aufhängen und die Botschaft hinten runter fällt. Wenn aber das Feedback lautet, dass eine Idee als super empfunden wird oder ein Thema aufgegriffen wurde, das die Menschen bewegt, dann wissen wir, dass auch die Botschaft ankommt. Für diese Kultur hilft es natürlich sehr, dass man unter Gamern gut vernetzt ist. 

Könnt ihr auch Mehrwerte aus dem Bereich Gamification an KMUs weitergeben?

Ja, in jedem Fall! Es ist durchaus so, dass Unternehmen ein Interesse an interaktiven Formaten und Technologien haben, um ihre Strukturen zu vereinfachen. Eine App kann beispielsweise komplexe, analoge und oftmals alte Strukturen und Prozesse aufbrechen und niedrigschwelliger machen, sodass die Mitarbeiter unkomplizierter und mit mehr Spaß dabei sind. Dabei ist es vielen Unternehmen auch wichtig, dass Prozesse durch Gamification nachhaltiger gestaltet werden können.

Wie lässt sich dieser Nachhaltigkeits-Faktor durch Gamification in ein Unternehmen hineintragen?

Zum Beispiel durch Schulungen, die digital ablaufen sollen. Wenn man das Format so entwickelt, dass es auch in Zukunft nutzbar ist, muss nichts Neues produziert oder gar gedruckt werden. Hinzu kommt, dass man Mechaniken wie Highscores einbauen kann, die die Mitarbeiter anspornen, die Schulungseinheiten möglichst gut abzuschließen. Hier spricht man dann die intrinsische Motivation der Leute an. Das ist ein wichtiger Faktor, wenn man Arbeit neu gestalten möchte. 

Das Interview führte Rebecca Raab

Zeitland