Catja Eickelberg - InnerMe

Mit InnerMe hat die Freiburgerin Catja Eikelberg ein Startup gegründet, das Kinder dabei unterstützt ihren Körper zu erkunden. Angefangen hat alles mit LogoLeon, einer App und einem Buch rund um die Welt des Mundes. Aus Erfahrung weiß Catja, dass sich digitale und analoge Produkte gut ergänzen können, wenn sie unterschiedliche Bedürfnisse der Zielgruppen ansprechen.

Catja, wie lässt sich beschreiben, was ihr macht?

Ich weiß nicht, ob wir uns irgendwo einordnen lassen. Ich merke immer wieder, dass mir hierfür die Kategorien und die richtigen Worte fehlen - ständig eigentlich. Aber daran merkt man vielleicht auch, dass wir auf einem innovativen Weg unterwegs sind. Ich muss dazu sagen, dass ich mit meinem therapeutischen Hintergrund als Logopädin und Kogntionswissenschaftlerin an einem anderen Punkt losgelaufen bin, als ich heute stehe. Zu Beginn war der therapeutische Kontext noch sehr präsent. Bei LogoLeon machen wir aber keine Therapiematerialien - wir sind auch kein Medizinprodukt. Allgemein kann man sagen, dass wir durch unsere Produkte Eltern dafür sensibilisieren wollen, dass der Mund ein sehr wichtiges Sinnesorgan ist. Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sich Kinder natürlich und zufrieden entwickeln. Das beginnt mit der Welt des Mundes, wir sind aber gerade mitten in einer großen Umfirmierung, um unser Konzept auf den gesamten Körper auszuweiten.

Man darf also gespannt sein, was als nächstes kommt. Aber zurück zu den Anfängen: Warum hast du mit der App zunächst ein digitales Medium gewählt?

Zu Beginn wollte ich gar keine App machen, aber mir wurde schnell klar, dass die digitalen Möglichkeiten riesig sind. Als wir das Exist-Stipendium bekommen und BW Goes Mobile gewonnen haben, konnten wir loslegen und einen ersten Prototypen bauen. Unsere App basiert auf Gesichtserkennung. Ich hatte im Vorfeld analoge Prototypen mit Bildern erstellt, aber da hat niemand verstanden, was meine eigentliche Idee ist. Der Aha-Moment kommt erst, wenn man mit der App interagiert und sich selbst erkennt - so wie in einem Spiegel. Als wir den ersten Prototypen hatten, war die Resonanz durchweg positiv, das war ein wichtiger Schritt.

Wie sind deine Erfahrungen, wenn es darum geht, eine App für Kinder auf den Markt zu bringen. Stößt man da auf Widerstand oder wurde es als innovatives Angebot wahrgenommen?

Als ich mit der App gestartet bin, kam schon auch Gegenwind à la “Nicht noch eine App, das macht die Kinder nur süchtig.” Das habe ich mir schon zu Herzen genommen. Ich habe mich dann aber nicht davon abbringen lassen, denn es ging mir ja nicht um die App per se, sondern um das Thema, Kindern bei der Entdeckung ihres Mundes zu unterstützen. Ich war einfach überzeugt, dass die App hierfür das richtige Medium ist und damit auch pädagogisch wertvoll. Das Spannende ist auch, seit es das Begleitbuch mit Leon dem Chamäleon gibt, erfährt auch die App, in die wir Leon integriert haben, eine sehr große Akzeptanz und  Nachfrage. Da bekomme ich dann oft Feedback von Eltern, die schreiben, dass es schade ist, dass es aktuell nur drei Minispiele mit Leon in der App gibt, denn die Kinder würden gerne noch mehr ausprobieren. Abends auf dem Sofa oder beim Zubettgehen ist dagegen das Buch der passende Begleiter.

Das heißt, es kommt darauf an, die Bedürfnisse der Zielgruppen zu kennen und unterschiedliche Zugänge zu schaffen.

Medienkompetenz bedeutet für mich, sich Medien anzuschauen und dann zu entscheiden, womit man sich am liebsten beschäftigen möchte. Dann rücken automatisch auch die Inhalte in den Vordergrund, das haben die Leute inzwischen verstanden. Wichtig ist mir dabei auch, dass die Kinder den jeweiligen Mehrwert erkennen: In die 3D Welt der App kann ich super eintauchen und meinen Körper entdecken, ein Buch dagegen kann ich mitnehmen, anderen zeigen und gemeinsam anschauen. Bei dem Buch ist uns auch wichtig, dass es nicht so viel Text beinhaltet, damit wir das freie Vorlesen anregen. Das heißt, dass Eltern mit ihren Kindern auch aktiv über die Geschichte sprechen und zusammen weitererzählen, nicht nur runterrattern, was dasteht.

Inzwischen wirst du als erfolgreiche Startup-Gründerin auch oft als Speakerin oder Coach angefragt. Welche Herausforderungen hast du gemeistert, die du jetzt mit anderen teilen kannst?

Ich glaube, die größte Herausforderung war, den Schritt zu wagen und alleine zu gründen. Die meisten Startups sind Gründerteams. Das hat mich schon verunsichert. Schaffe ich das alleine? Ich kann aber nur sagen: es ist wichtig, auch Dinge anders zu machen als andere! Ich habe auch schnell meine Vorteile erkannt. Als alleinige Inhaberin und Geschäftsführerin muss ich mich nicht mit anderen abstimmen. Einen Konsens zu finden kann auf Dauer auch sehr herausfordernd sein und das Vorankommen einer Idee erschweren oder gar zum Scheitern bringen. Da fühle ich mich freier. Dennoch habe ich immer auf ein starkes Team gesetzt, um mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten.

Wie interdisziplinär arbeitet ihr?

Im eHealth Bereich ist man meist nur von Informatikern umgeben. Ich habe es daher als sehr bereichernd empfunden, mich von Anfang an mit Kreativschaffenden aus ganz unterschiedlichen Branchen auszutauschen. Das wurde mir als IDEENSTARK-Gewinnerin ermöglicht. Im Austausch mit den anderen Gewinner*innen habe ich gemerkt, dass ich mit meiner App eben nicht nur mit Informatikern sprechen sollte, sondern auch mit Gamern oder Leuten im Sozialbereich Schnittmengen habe, von denen ich profitieren kann. Ein möglichst buntes Netzwerk ist der beste Support, den man haben kann.

Du hast in der Gründungsphase auch von vielen Förderprogramme profitiert. Was können andere in Sachen Finanzierung von dir lernen?

Viele kennen die Förderprogramme oder Stipendien, die für sie in Frage kommen könnten gar nicht. Es ist auch nicht einfach hier einen Überblick zu bekommen. Da werde ich oft nach Tipps gefragt. Viele Anträge machen auch Angst, da die Formulare oft sehr umfangreich und starr sind. Da fühlt man sich schon gescheitert, bevor man überhaupt angefangen hat. Ich habe mir dann aber immer gedacht: “Ne, so schwer kann das nicht sein. Das packe ich jetzt trotzdem an, zur Not rufe ich dort an, da sitzen doch bestimmt nette Menschen, die mir das erklären können.” Wenn man die Dinge pragmatisch angeht, ist einem oftmals geholfen. Als ich die App um ein Buch erweitern wollte, war ich zum Beispiel auch sehr verunsichert, da ich mich in der Verlagswelt gar nicht auskenne. Ich habe dann aber von einer Förderreferentin ein sehr ermutigendes Feedback bekommen - und das hat mich bestärkt die Sache anzugehen. Kurz gesagt, man muss sich seine Möglichkeiten schon selbst schaffen, aber fragen kostet nichts.

Das Interview führte Rebecca Raab

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